Vectron Systems gehört mit 90.000 Installationen in 25 Ländern zu den europäischen Marktführern bei innovativen Kassensystemen. Diese starke Position, vor allem auf dem Kernmarkt Deutschland, konnte aber nicht verhindern, dass Vectron 2009 deutliche Umsatz- und Gewinneinbußen hinnehmen musste.
So kamen die Erlöse in den ersten neun Monaten bei 15,30 Mio Euro (VJ 18,20 Mio) zu liegen, der operative Gewinn (EBITDA) halbierte sich sogar auf 1,68 Mio Euro. Da half nicht viel, dass die Rohmarge mit 60,8 % (VJ 63,3 %) nur leicht unter Vorjahr lag. Der Vorstand hat für diese Entwicklung jedoch eine zumindest brauchbare Erklärung: Im Vorjahr hat sei ein Großauftrag mit einem Umsatzvolumen von rund 2,7 Mio Euro in den Zahlen enthalten gewesen. Der Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr sei daher im Wesentlichen auf den Wegfall dieses Großauftrages zurückführen. Bereinigt um diesen Effekt ergibt sich im wichtigsten Absatzmarkt Deutschland im Neun-Monats-Vergleich sogar ein Umsatzzuwachs von 12 %. Die Ertragslage wurde zudem belastet durch erhebliche antizyklische Investitionen in den Bereichen Entwicklung und internationaler Vertriebsausbau. Dafür hofft Vectron in der 2010/2011 erwarteten konjunkturellen Erholung, überproportional hohe Marktanteile zu gewinnen.
Damit sieht Vectron seine Strategie, durch antizyklische Investitionen in Produkte und Vertriebsausbau die Krisenfolgen zu mildern und im Aufschwung gestärkt hervorzugehen, bestätigt.
Allzu hohe Erwartungen jedoch könnten verfrüht sein, denn im EU-Raum dürfte die Erholung nur sehr schwach ausfallen.
Andererseits profitiert Vectron ab 2010 von der Einführung neuer Kassensysteme mit "Fiskalchip", der Manipulationen wie die nachträgliche Änderung von Umsatzdaten unmöglich macht. Vectron hat bereits viel Erfahrung mit modernen Kassen mit derartigen Fiskalspeichern und gilt daher als Top-Kandidat für Großaufträge im Zuge der Nachrüstungswelle.
Positiv auch die praktisch nicht existente Verschuldung und die üppige Dividende von 1,40 Euro je Aktie (= Rendite von über 12 %). Das half jedoch alles nichts, denn 2009 lieferte die Aktie eine enttäuschende Performance. Zweitweise kam es zu extremen Kursschwankungen, die leider dazu führten, dass auch unsere Zweiempfehlung mit Verlust ausgestoppt wurde.
Nun sollten selbst abgebrühte Zocker den Titel vorerst nur beobachten. Wenn sich der erwartete Turn around andeutet, bzw. die erhofften Großaufträge tatsächlich eintreffen, bleibt immer noch genug Zeit, um zu reagieren. Allerdings ist aufgrund der hohen Volatilität striktes Limitieren Pflicht. Antizyklische Spekulanten mit Nerven aus Drahtseilen können aber auch bei rund 10,8 Euro zuschlagen und ein enges Stop bei 9,78 Euro setzen.